iPad – Das „Post PC Device“ Versprechen bleibt unerfüllt

iPad AirLaut Apple’s letzten Quartalszahlen gingen die iPad Verkäufe zurück. Ein Grund die Sache etwas genauer zu betrachten. Was könnten Gründe dafür sein, dass die iPad Verkäufe stagnieren?

Ist das iPad tatsächlich ein Post PC Device, als das es Apple gerne vermarktet? Was soll ein Post PC Device denn überhaupt sein? Was Apple damit vermutlich suggerieren will, dass PCs ein Relikt aus der Vergangenheit sind, die Zukunft den iPads gehört.

Das iPad hatte im Frühjahr 2010 seinen Marktstart. Nur die großen iPads gezählt befinden wir uns in der 5.Generation. Auch vier Jahre nach Marktstart kann ich nicht sehen, was an iPads Post PC sein soll. Das gilt für die Gerätegattung Tablet im Allgemeinen, den auch auf der Android Front sieht es nicht anders aus.

Ich nehme mein iPad Air sehr gerne zur Hand. Ich schätze die handliche Größe, die permanente Verfügbarkeit, die lange Akku-Laufzeit. Aber kann es den PC, da zähle ich Macs dazu, tatsächlich ersetzen? – Nicht mal Ansatzweise!

Das iPad startete vor vier Jahren als vielseitiges Medienkonsumations- und Kommunikationsgerät. Über die Jahre hat sich vieles im Detail verbessert, an der grundsätzlichen Ausrichtung hat sich allerdings bis heute nichts geändert. Für die Konsumation von Medien sind viele Dinge angenehmer gelöst, als bei PCs. Am iPad lese ich lieber meine RSS Feeds mit Reeder, benutze zum Filme und TV-Serien schauen lieber Plex, schaue mir mit DS Photo und Flickr Studio lieber meine Fotos an, und spiele auch lieber als am Mac.

Wenn es aber daran geht Inhalte zu schaffen, dann ist der Spass schnell vorbei, zu umständlich sind die Workflows, zu limitiert die Anbindung nach außen. Das größte Problem ist sicherlich, dass es keine zentrale Dateiablage gibt. Der Mac Finder mag in den Augen mancher nicht mehr zeitgemäß sein, aber er ist um Lichtjahre besser, als die Dateiverwaltung unter iOS. Es macht mich wahnsinnig, wenn Dateien in einer App eingesperrt sind. Es gibt zwar den Öffnen in… Dialog, der die Übergabe einer Datei an eine andere App erlaubt, man generiert dadurch allerdings einen Wildwuchs an Kopien mit unterschiedlichem Datenstand, dass man damit im größeren Rahmen nicht vernünftig arbeiten kann, der Überblick geht komplett verloren.

Ein halbwegs vernünftiges Dateihandling funktioniert eigentlich nur mit Dropbox, weil das API den direkten Zugriff aus vielen Apps ermöglicht. Am Komfort von Dropbox gibt es nichts auszusetzen, aber ich habe keine Lust persönliche Daten einem Dienst anzuvertrauen, der mangelnden Datenschutz bietet. iCloud, Apples eigenes Cloudservice, hilft nur, wenn man Dateien innerhalb einer App über mehrere Geräte synchronisieren will. Für Inter-App Kommunikation bietet iCloud keine Unterstützung, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Eine Sache, die für mich komplett unverständlich ist, dass es keine Möglichkeit gibt seine Fotos am iPad mit iPhoto und Aperture am Mac zu synchronisieren. Der Workflow ist doch naheliegend, Fotos am iPad zu sichten, mit Tags zu versehen, sie zu bewerten, ordnen und grundsätzliche Anpassungen durchführen, dann mit Aperture am Mac zu synchronisieren und weiter zu bearbeiten. Wie für Office Dateien gilt auch für Fotos, man bekommt keine Ordnung rein. Die Fotos liegen flach in der iOS Foto App, oder Kopien davon sind in diversen Foto-Apps gefangen. Klar kann man die Fotos auch zu diversen Cloud-Services hochladen. In kürzester Zeit hat man überhaupt kein Gefühl mehr dafür, wo die eigenen Fotos überall herumgeistern.

Als ich die Medienveranstaltung zur Vorstellung des ersten iPads sah, war ich sofort gefangen. Ich sah das Potential des Gerätes, musste sofort eines haben. Diese Begeisterung hat sich gelegt. Von der Hardware iPad Air bin ich uneingeschränkt begeistert. Ich sehe allerdings nicht, dass das Potential auf der Softwarefront ausgeschöpft wird. Die Entwicklung ist stagniert, Apple verläuft sich in Nebensächlichkeiten, anstatt die brennenden Probleme anzugehen.

Die Möglichkeiten, die man mit einem Mac hat, übersteigen die der iPads bei weitem. Und hier kommen wir zur nächsten interessanten Entwicklung, die sich in den letzten Tagen zugetragen hat. Es wurden neue Macbook Air vorgestellt. Es handelte sich um ein kleines Hardware Upgrade. Das an sich ist nicht besonders erwähnenswert. Was jedoch interessant ist, ist die Preisentwicklung. Die Preise der Macbook Air wurden um 100€ gesenkt. Das günstigste Macbook Air gibt es im Apple Store jetzt um 899€, nur minimal teurer als das iPad Air im Vollausbau, das 869€ kostet.

Das Macbook Air ist ein vollwertiger Rechner, das iPad Air ein Medienkonsumationsgerät, das zwar praktisch ist, ohne das man aber definitiv auch Leben kann. Die interne Konkurrenz finde ich hochgradig interessant.

Das iPad ist für viele Dinge sehr praktisch, für das was es kann, ist es aber zu teuer. Wenn man das Potential des Gerätes ausschöpfen will, braucht man eigentlich mindestens 64GB Speicher, die Speicherupgradepreise von Apple sind absurd. Ich bin gespannt, ob Apple auf die Unzulänglichkeiten mit iOS 8 reagiert, oder der Marschrichtung treu bleibt.

Ich habe das Gefühl, dass bei einigen Konsumenten langsam die Euphorie bei der Gerätegattung Tablet weicht. Erste Trends sind bei den Verkaufszahlen im iOS- und Android-Lager ablesbar. Natürlich ist der größere Bildschirm als bei Smartphones angenehmer, aber die softwareseitigen Beschränkungen bleiben. Die sind bei Smartphones akzeptabel, aber bei Geräten, die vom Hersteller als Post PC Devices bezeichnet werden, sicherlich nicht.

Die iPhones werden größer, die Macbook Air günstiger. Wieviel Platz ist hier für ein in der Funktionalität limitiertes iPad? Gehen die Tablets den Weg der Netbooks? Ich glaube nicht, aber Apple muss reagieren.

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