Musik zum Schleuderpreis

Ich werde jetzt einmal etwas ungewöhnliches tun, ich schreibe positiv über die Musikindustrie. Apple hat viel für die positive Entwicklung durch den offenen Brief von Steve Jobs an die Musikindustrie getan. Der Brief war ein maßgeblicher Auslöser dafür, dass wir heute Musik bei iTunes, Amazon & Co ohne DRM online kaufen können. Es ist zwar in den gekauften Liedern vermerkt, mit welchem Account gekauft wurde, damit die Quelle nachvollzogen werden kann sofern Lieder in Tauschbörsen auftauchen, aber es gibt keinerleich Einschränkungen in der Benutzung mehr, keine Bindung an Software, Endgeräte, etc.

Es ist für mich ein absolutes NOGO Inhalte mit DRM zu kaufen, leihen gerne, aber nicht kaufen. Wenn ich Musik kaufe, dann ist mein Rechtsverständnis, dass sie mir gehört. Dann will ich diese auf den Geräten meiner Wahl abspielen, will sie Familienmitgliedern zur Verfügung stellen können. DRM welches auf Online Rechteabfrage setzt, wie es bei den Musik Onlinestores usus war, ist besonders übel. Wenn der Betreiber sein Service einstellt, kann man die Musik, die man gekauft hatte nicht mehr abspielen. Das fallen des DRMs war für mich auslösendes Moment mich als Kunden zu gewinnen.

DRM freie Musik ging in iTunes unter den Namen iTunes Plus im Jahr 2009 in die Breite, brachte zusätzlich eine gesteigerte Qualität durch 256kb/s Bandbreite. Dabei ist erstaunlich, dass sich preislich in den ganzen Jahren nicht viel geändert hat. Seit 2009 gibt es ein flexibles Preismodell, Lieder dürfen seitdem 69 Cent, 99 Cent und 1,29 Euro kosten, bis 2009 gab es einen Einheitspreis von 0,99 Cent pro Lied. Fakt ist, dass sich die Preise durchschnittlich nicht nach oben geändert haben, ganze Alben gibt es größtenteils zu 9,90 Euro und darunter.

Seit Existenz der CD hat der Preis von Musik seinen Tiefstand erreicht. Das wurde mir in den letzten Wochen noch mehr bewußt, da ich gerade dabei bin meine gesamte CD-Sammlung zu digitalisieren. Auf einigen meiner CDs klebte noch das Preisetikett drauf. Eine neu erschienene CD kostete zum Beispiel Anfang der 1990er Jahre 219 Schilling, was 15,92€ entspricht. Berücksichtigt man die Inflation der letzten 20 Jahre in Österreich und Deutschland, dann müsste ein neu erschienenes Album im Jahr 2014 rund 25€ kosten.

Trotz attraktiver Preise gingen die Verkäufe im iTunes Store im Laufe der letzten 12 Monate um 13-14% Prozent zurück, ein Trend der sich im Jahr davor durch einen Verkaufsrückgang von rund 6% bereits ankündigte. Die Ursache dafür ist schnell identifiziert, Music Streaming Services.

Music Streaming Service Angebote gibt es einige, mittlerweile auch in der medialen dritten Welt Österreich. Von den Services, die in Österreich verfügbar sind, sind aus meiner Sicht Spotify und Rdio am interessantesten, von Deezer hört man auch gutes, habe ich allerdings nicht selbst ausprobiert. Gemeinsam haben die genannten Music Streaming Services eines, sie setzen auf Personalisierung und auf ein Abo Modell. Unterstützung gibt es für alle verbreiteten Desktop- und mobilen Betriebssysteme.

Aufgrund der Personalisierung sollte jeder Benutzer einen eigenen Account nutzen. Anhand der Hörgewohnheiten bekommt man Vorschläge, was einem gefallen könnte. Das funktioniert relativ gut, solange man nicht seinen Account mit den Preferenzen seiner siebenjährigen Tochter vermischt 😉

Nach einer kostenlosen Testphase bekommt man um einen monatlichen Betrag von rund 10€ Zugriff auf das gesamte Musikangebot des Anbieters. Rdio bietet auch ein Familienmodell, d.h. zusätzliche Nutzer, welche über die gleiche Kreditkarte abgerechnet werden, zahlen weniger. Spotify hat angekündigt dahingehend mit Rdio gleichzuziehen. Für die Schnorratis bietet Spotify als einziger der genannten Anbieter auch eine funktional eingeschränkte werbefinanzierte Variante an.

Rdio hat ein schickes Interface, das kompletteste Angebot hat aus meiner Sicht aber Spotify. Sie verstehen den Markt am Besten, was auch ihren großen Erfolg erklärt. Die werbefinanzierte Variante bietet unentschlossenen Nutzern die Chance das Service länger auszuprobieren, ein Teil der Nutzer des werbefinanzierten Services werden dadurch später zu zahlenden Kunden. Mit Spotify Connect haben sie eine pfiffige Alternative zu Apple’s Airplay am Start. Manche Hifi Hersteller, Yamaha sei beispielhaft genannt, hat Spotify Connect in ihre Verstärker integriert.

Die Music Streaming Services werden sicherlich keine Sammler erreichen, die sich gerne die Wände mit ihren CDs vorstellen, aber Nutzer die für einen kleinen monatlichen Betrag den Zugriff auf einen riesigen Musikkatalog wollen. Man kann alles hören, ohne es zu besitzen, muss sich um keinen Speicherplatz, keine Sicherung der Daten kümmern. Das rundum sorglos Paket zum kleinen Preis.

Besitz belastet, wie wir ja alle wissen. In diesem Fall zumindest den Festplattenspeicher, und das Gewissen, wegen der fehlenden Datensicherung.

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