Softwarequalität von Apple ist verbesserungswürdig

Marco Arment hat sich über die Qualitätssicherung von Mac OS und iOS ausgelassen, und unbeabsichtigt einen Medientsunami ausgelöst. Er versucht zurück zu rudern, aber das Öl wurde bereits ins Feuer gegossen.

Neben allerlei Popularmedien, die den Artikel aufgegriffen haben weil sie die reisserrische Schlagzeile “Apple ist am absteigenden Ast” sehen, fühlen sich auch Qualitätsblogger berufen den Artikel von Marco Arment zu kommentieren:

Ben Thomson
Lukas Mathis
Guy English
Kirk McElhearn
Daniel Jalkut
Alex Olma

Ich kann nachvollziehen, dass Marco Arment den Medienrummel bereut, den sein Artikel ausgelöst hat, die Message des Artikels ist allerdings korrekt, die Softwarequalität passt im Moment einfach nicht.

Es gibt bei neuen OS Versionen immer kleine Bugs, unabhängig vom Hersteller. Damit rechnet man, wenn man am Tag eins auf den neuen OS Release Zug aufspringt. Beim Update auf Mac OS 10.10 Yosemite, oder iOS 8, ist allerdings etwas eingetreten, was ich noch nie in Erwägung gezogen habe – Ich wollte wieder zurück!

Neben einigen kleinen Unzulänglichkeiten hatte es Apple beim aktuellen Mac OS Release geschafft das WLAN nahezu komplett zu killen. Die WLAN Verbindung war unzuverlässig, der Durchsatz katastrophal. Viele Benutzer, die ausschließlich auf WLAN bei deren Netzwerkverbindung setzen, sitzen vor einem Mac, der Quasi offline ist. Mit dem Problem stand ich definitiv nicht allein da, Apple’s Support Forum ist voll mit gleich lauteten Meldungen. Ein derartiger Fehler darf einfach nicht durch die Qualitätssicherung rutschen.

Beim iOS 8 Release leistete sich Apple ebenfalls ein paar gehörige Patzer. Der Fehler, der mich am meisten nervte, war, dass die iCloud Implementierung unter iOS 8 fehlerhaft war, was zur Folge hatte, dass alle Apps, die die Anbindung an iCloud Drive mitbrachten, beim Start ewig brauchten, beziehungsweise gleich mehrmals beim Start abstürzten. iCloud Drive, einer der neuen Kernfeatures von iOS 8 funktionierte beim Start quasi gar nicht. Das ein derart schwerwiegender Fehler nicht im Vorfeld der iOS 8 Veröffentlichung von Apple entdeckt und behoben wird ist ein Zustand, der nicht passieren sollte.

Was uns zu iCloud im generellen bringt. Als qualitativ hochwertiger Nachfolger von MobileMe, vorher .Mac, angepriesen, ist das Produkt weitgehend ein Disaster. Carddav (Kontakte) und Caldav (Kalender) sync funktioniert gut, ebenso das Backup der iOS Geräte, damit wären wir allerdings schon am Ende der positiven Aspekte von iCloud.

Der App Sync funktioniert schlecht. Ich habe unter anderen mehrere Podcast Clients mit iCloud Sync Support getestet, früher oder später waren bei allen die Podcastepisoden out of sync, darunter bei Apple’s eigener Podcast App! Ein Armutszeugnis. Das es besser geht zeigen z.B. die Podcast Sync Lösungen von Instacast (iOS App) und Pocket Casts (iOS App). Instacast ist übrigens mittlerweile mein Podcast Client der Wahl, den ich absolut empfehlen kann.

iCloud Drive soll eine Alternative zu Dropbox und den weiteren Cloud Storage Mitbewerbern sein. Da stellt sich mir die Frage, haben die Verantwortlichen von Apple ihr Produkt jemals Dropbox gegenüber gestellt? Ich habe mir von iCloud Drive viel erwartet, gehofft, dass Apple die Cloud, nach ihren vollmundigen Ankündigungen, endlich mal richtig hinbekommt. Das haben sie definitiv nicht geschafft. iCloud Drive ist einfach nur schlecht und unzuverlässig. Dateien die auf einem Gerät in iCloud Drive geschoben werden, tauchen auf anderen Geräten erst nach erheblicher Verzögerung auf. Man hat keinerlei Feedback darüber, was bereits mit der Cloud synchronisiert wurde. Die iOS 8 Implementierung von iCloud Drive versprach im Vorfeld ein Dateisystem in der Cloud (Oder war das nur Wunschdenken von mir?), übrig geblieben ist ein mangelhaft implementierter Document Picker. Wer Cloud Storage braucht, soll zum großartigen Dropbox greifen. Dropbox ist in jederlei Hinsicht um Welten besser als iCloud Drive.

Ich halte auch einige Software Designentscheidungen Apple’s für nicht mehr zeitgemäß. Nehmen wir mal das fünfköpfige Ungetüm iTunes her. Die Verschlimmbesserung des Userinterfaces mal bei Seite geschoben, ist es doch total mühsam, dass man Medien, damit sie von iTunes erkannt werden, manuell importieren muss. Man konfiguriert in iTunes einen Pfad, unter welchen die Medien zu finden sind. Wieso befüllt iTunes die Datenbank nicht automatisch mit dem Medien, die unter dem konfiguriertem Pfad zu finden sind? Plex macht es so, ebenso die Audio Station von Synology. Bei den beiden genannten Implementierungen funktioniert das zuverlässig ohne händischen Eingriff und erlaubt mit mehreren Rechnern und mobilen Geräten, auch mit unterschiedlichen Apps, auf die gleiche Datenbasis zuzugreifen. Mal versucht eine iTunes Multidevice/Multiuser-Lösung aufzusetzen? Das ist eigentlich nur möglich, indem man die Musik auf mehreren Rechnern dupliziert, kombiniert mit mehreren iTunes Match Accounts, damit auch die iOS Devices abgedeckt sind. Will man das? Also ich nicht, und viele (ehemalige) iTunes Nutzer in meinem Umfeld auch nicht. In einer vernetzten Welt gibt es keinen Platz für iTunes, in der derzeitigen Ausprägung. Das Frontend ist nach wie vor gut, das Backend stinkt aus dem Mund.

Abzuwarten bleibt, wie sich die angekündigte Ablöse von iPhoto und Aperture gestalten wird. In der ersten Jahreshälfte soll es soweit sein. Ich sehe der Sache mal positiv entgegen, wenngleich sich bei einer der Kernkomponenten der neuen Implementierung, iCloud Photo Library, schon etwas Skepsis regt. Rein theoretisch wäre es genau das, was ich will. Eine Lösung, die die Fotos zwischen allen meinen Apple Endgeräten synchronisiert.

Derzeit verwende ich Aperture um meine Fotos zu verwalten. Schafft es Apple auch die Pro-User mit der neuen Mac OS Foto App zu beglücken? Wenn sie versuchen die derzeitigen Aperture Nutzer mit einem iOS Photo App Abklatsch abzuspeisen, werden sie vermutlich noch die letzten Benutzer von Apple’s Mac Photo Apps vergrätzen, mich definitiv.

Fazit

Apple’s Hardware ist super, am derzeitigen Line-Up gibt es nur wenig auszusetzen. An der Softwarefront steht es allerdings nicht zum Besten. Sowohl Mac OS, wie auch iOS 8, kam mit schweren Fehlern am Markt, die so nicht passieren dürfen. Das eigene Applikationsportfolio wird zu wenig gepflegt. Frühere Aushängeschilder, wie z.B. Aperture, werden über die Jahre ausgetrocknet, Verbesserungen der ehemaligen iLife und iWork Suite kommen nur in kleinen Dosen.

Apple würde gut daran tun der Qualitätssicherung höchste Priorität einzuräumen, den Nutzern weiterhin die best mögliche User-Experience zu bieten. Das ist es nämlich, was sie primär von der Konkurrenz abhebt. Es ist ein großer Unterschied, ob man Apple Geräte verwendet, weil man hochzufriedener Kunde ist, oder ob man zwar nicht zufrieden ist, allerdings trotzdem nicht zu Alternativen greift, weil die noch schlechter sind.

Apple Produkte haben einen Premium Preis, und dafür darf Premium Qualität erwartet werden. Weniger OS Updates, mehr Fokus auf das Wesentliche, dass ist es, was Apple braucht.

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. ui bisschen frustig 🙂 möchte hinzufügen, ich bin vom Hardware-Line-up auch nicht so überzeugt. ich arbeite weiter auf meinem schon ziemlich „alten“ (2008?) MacPro mit gefühlten 100 Festplattenbays und PCI-Slots, den ich nach Lust und Laune aufrüsten und umbauen kann. Und als ich unlängst bei meinem nicht besonders „alten“ MacBook Pro (2011) den RAM verdreifacht habe, einfach aufschrauben, Riegel raus, Riegel rein, überkam mich ein großes Gefühl der Dankbarkeit.

    • Frustig bin ich eigentlich gar nicht, nur schon seit einiger Zeit kein überaus zufriedener Jünger mehr. Ich gebe dir recht, dass es natürlich wünschenswert wäre, wenn man bei den aktuellen Macbook Air und -Pro Modellen einfach Massenspeicher und Hauptspeicher aufrüsten könnte, aber davon abgesehen finde ich die Mac Hardware sehr gelungen. Die fehlende Möglichkeit zum Aufrüsten muss man halt bei der Hardware Bestellung mit dem Upgrade aufs Maximum erschlagen 😉

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