„Neuigkeiten“ zu Aperture

Mit diesen einleitenden Worten hat Apple die Aperture Kunden diese Woche via Mail kontaktiert. Nun die Neuigkeit ist, dass Aperture eingestellt wird. Ein Umstand, der jenen, die sich mit der Materie beschäftigen, seit Sommer letzten Jahres bekannt ist. Wenn man die Apple Szene allerdings nicht intensiv verfolgt, und erstmalig via diesem Mail davon erfahren hat, dann ist die Überschrift Neuigkeiten zu Aperture doch reichlich unglücklich gewählt.

Lieber Aperture Kunde,

 

im letzten Juni haben wir die neue Fotos App für iOS 8 und OS X Yosemite zusammen mit der iCloud Fotomediathek eingeführt, mit der du all deine Fotos in iCloud speichern und von überall darauf zugreifen kannst.

 

Wenn die Fotos App für OS X in diesem Frühjahr auf den Markt kommt, wird Aperture nicht mehr zum Kauf im Mac App Store angeboten. Aperture kann weiterhin unter OS X Yosemiteverwendet werden, es ist aber nicht mehr möglich, zusätzliche Kopien der App zu kaufen.

 

Vorhandene Aperture Mediatheken lassen sich einschließlich aller Fotos, Anpassungen, Alben und Schlagwörter für die Fotos App für OS X migrieren. Nach der Migration bleibt die ApertureMediathek intakt. Da Aperture und die Fotos App keine einheitliche Mediathek verwenden, werden nach der Migration vorgenommene Änderungen nicht in beiden Apps bereitgestellt.

 

Für weitere Infos zur Fotos App für OS X klick bitte hier. Wenn du die OS X 10.10.3 Public BetaVersion, in der die Fotos App für OS X enthalten ist, testen möchtest, klick bitte hier.

 

Vielen Dank für die Verwendung von Aperture. Wir hoffen, dass dir die neue Fotos App für OS X gefallen wird.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Apple

Wie kommt das rüber? Lieber Kunden, tolle Neuigkeiten! Das Produkt, dass sie seit Jahren zur Verwaltung und Bearbeitung ihrer Fotos verwenden, ihre Workflows darauf aufgebaut haben, möglicherweise wichtig für ihren Job ist, werden wir jetzt einstellen. Danke, dass sie Aperture verwendet haben.

Apple hat den Blick nach vorne gerichtet, scheut sich nicht davor alte Zöpfe abzuschneiden. Das finde ich prinzipiell gut! Fortschritt darf aber nicht bedingungslos sein. Kunden brauchen Investitionssicherheit, speziell wenn es sich um Pro Apps, wie bei Aperture handelt. Apps die also von Profis, potentiell in ihrem Job, verwendet werden.

Tut es mir Leid, dass Aperture eingestellt wird? Definitiv! Speziell bei der Organisation von Fotos, und der Metadatenverwaltung, ist Aperture noch immer das Maß der Dinge. Ich verwende Aperture seit Jahren, wenngleich in den letzten beiden Jahren entwicklungstechnisch nicht viel weiter gegangen ist und Lightroom Aperture in vielerlei Hinsicht überholt hat.

Welche Möglichkeiten ergeben sich aus der Situation?

  1. Nun einerseits kann man den, vom Apple vorgesehenen, Pfad folgen und künftig Photos verwenden. Wichtigster Umstand, der dafür spricht, man behält den Konnex der Originale und den inkrementellen Bearbeitungen und man gewinnt die iCloud Photo Library, die das synchronisieren aller Fotos zwischen Macs und iOS Geräten ermöglicht. Die iCloud Library ist zweifellos ein toller Mehrwert. Wenn man den ersten Tests glauben schenkt, dürfte Photos wesentlich schneller als Aperture und auch iPhoto sein. Schlagwörter und Alben werden übernommen. Aus derzeitiger Sicht fallen Äquivalente zu Ordnern und Projekten unter den Tisch. Flags und die Bewertung mit Sternen wird es künftig auch nicht mehr geben, man kann Fotos nur mehr favorisieren. Geotags werden übernommen, können in Photos allerdings nicht gesetzt werden. Viele Profi Bearbeitungsmöglichkeiten fallen unter den Tisch. Vielleicht täusche ich mich, aber man mag den Eindruck gewinnen, dass Apple den Pro Fotomarkt nicht mehr bedienen will. Der Fokus liegt, zumindest im ersten Schritt, bei Fotos, die aus dem iPhone fallen.
  2. Wenn man auf der Suche nach einem Ersatz ist, dessen Funktionsumfang möglichst nahe an Aperture liegt, dann empfiehlt sich ein Blick zum bisherigen Hauptkonkurrenten von Aperture, Adobe’s Lightoom, das demnächst in Version 6 erscheinen wird. Potentiell gewinnt man die angesprochene Investitionssicherheit. Fotobearbeitung ist eines, wenn nicht das Hauptgeschäftsfeld von Adobe. Adobe hat also sicherlich kein Interesse ihre Hauptkundengruppe vor den Kopf zu stossen. Lightroom ist derzeit das fortschrittlichste Programm zur Fotoorganisation und bringt auch viele Pro-Features bei der Bearbeitung mit. Seitens Bearbeitungsmöglichkeiten ist Lightroom Aperture definitiv überlegen. Adobe tut einiges um derzeitige Aperture Kunden zu gewinnen. Sie haben einen Aperture Importer in Lightroom integriert. Der Importer übernimmt die Fotos und Schlagwörter aus Aperture, bildet die Organisationshierarchie auf die Lightroom Architektur ab. Alle Felder können nicht 1:1 übernommen werden, wie zum Beispiel die Gesichtserkennung, die in Lightroom derzeit noch nicht vorhanden ist. Adobe geht mit der Problematik dahingehend um, dass für die in Aperture erkannten Gesichter Schlagwörter mit den Namen der Personen in die Metainformationen der Fotos übernommen werden. Der Migrationspfad zu Lightroom ist durchaus mit jenem zu Apple’s Photos vergleichbar, mit einem grundsätzlichen Unterschied, der schmerzhaft ist. Man verliert den Konnex zwischen den Originalfotos und deren inkrementell gespeicherten Bearbeitungen, da dieser Mechanismus in jeder Fotobearbeitungssuite proprietär gelöst ist. Bei Adobe findet bereits seit längerer Zeit ein Umdenken statt, ihr Geschäftsmodell ist im Umbruch. Software soll nicht mehr verkauft, sondern über die Creative Cloud vermietet werden. Lightroom 5 steht derzeit noch zum Verkauf, ob das bei künftigen Versionen auch noch der Fall sein wird ist nicht gesichert. Diesen Umstand sollte man in seine Überlegungen mit einbeziehen.

Nun, wie gehe ich mit der Situation um? Das steht noch nicht fest, ich habe noch keine Entscheidung getroffen. Ich werde Apple’s Photos für den Mac auf Herz und Nieren testen, sobald die finale Version zur Verfügung steht. Auf meine Testerkenntnisse basierend werde ich dann eine Entscheidung fällen, ob ich den Migrationspfad zu Apple’s Photos, oder Adobe’s Lightoom wähle, oder eventuell noch eine andere Alternative an Attraktivität gewinnt. Es gibt keinen Grund überstürzt zu handeln. Aperture funktioniert auf absehbare Zeit, und eine finale Beurteilung von Photos ist noch nicht möglich.

Man weiß nicht genau, was sich Apple überlegt hat. Vielleicht soll Photos optional noch zur ausgewachsenen Profilösung wachsen, zum Beispiel über die Plugin Schnittstelle, derzeit sieht es nicht danach aus. Wenn Apple nicht selbst mit einer Profi Fotolösung Ersatz schaffen will, dann wäre es ein feiner Zug gewesen, wenn man sich gemeinsam mit Partnern um seine Profi Kunden gekümmert hätte. Ein vollwertiger Lightroom Importer, in Zusammenarbeit mit Adobe, der auch den Konnex zwischen Originalen und Bearbeitungen behält, wäre ein derartiger Zug gewesen. Die Kunden, die mit Photos nicht das Auslangen finden, verliert man in jedem Fall, aber mit Unterstützung bei der Migration zu einem alternativen Anbieter hätte man sich als verlässlicher Partner erwiesen, dem die Kundenbedürfnisse am Herzen liegen. Kunden, die Apple jetzt im Regen stehen lässt, werden es sich sehr gut überlegen noch mal zu einer Apple Pro App zu greifen.

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Alle Welt schreit, man mögen/muss jetzt unbedingt zu Lightroom wechseln. Ich meine nicht, denn Lightroom ist noch immer eine Katastrophe, wenn ich mir den Workflow anschaue. Und das Abomodell sagt mir ehrlich nicht zu. Und Adobe einen verlässlichen Partner nennen halte auch für gewagt: ich erinnere nur an das eingestellte Freehand, das PageMaker und für mich besonders schmerzhaft das zumindest auf dem Mac eingestellte FrameMaker, von dem ich noch heute nur bedingt konvertierbare ganze Buchlayouts herumliegen habe. Eine weitere Alternative könnte vielleicht Capture One Pro in Version 8 sein, das angeblich eine Aperture Bibliothek fast zu 100% einlesen und weiter bearbeiten kann. Das schaue ich mir in den kommenden Tagen mal ausführlich an. Bis dahin werde auch ich Aperture solange es geht weiter verwenden, denn mir steckt da einfach zu viel Arbeit drin.

    • So richtig glücklich macht mich keine der Alternativen. Abgesehen von der Geschwindigkeit, bin ich mit Aperture sehr zufrieden. Ich sehe es auch so, dass man beim Umstieg auf Lightroom, seitens Organisation und Workflow, Abstriche machen muss. Es ist halt der „Branchenstandard“, und es gibt die meisten Plugins, deshalb halte ich es für wahrscheinlich, dass das Produkt lange Pflege erfahren sollte. Ich stehe nicht besonders auf Adobe Produkte und das Abomodell spricht mich auch nicht an.
      Meine Tendenz geht Richtung Apple’s Fotos, aber ohne das finale Produkt getestet zu haben ist das letzte Wort nicht gesprochen. Man scheint in vielerlei Hinsicht Abstriche im Vergleich zu Aperture zu machen, eine gemeinsame Fotobibliothek über alle Macs und iOS Devices zu haben, finde ich schon recht ansprechend.
      Ich bin allerdings ein versierter Amateur, und kein Profi, der mit fotografieren sein Geld verdient. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist das kein Pfad, den ein Profi einschlagen sollte.
      Capture One Pro habe ich auch auf der Rechnung, würde mich freuen, wenn du dich nach deinen Tests mit deinen Erkenntnissen melden würdest.

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