Apple TV 4.Generation – Viel Licht, wenig Schatten

Rund zwei Wochen hatte ich jetzt Zeit die neue Apple TV auf mich wirken zu lassen. Zeit für ein erstes Fazit. Optisch hat sich die Apple TV nur marginal verändert, gleiches Design, gleiche Grundfläche, mit 35mm ist sie etwas höher. Wenn man die technischen Spezifikationen nicht im Vorfeld gelesen hat, fällt spätestens bei der Installation auf, dass die neue Apple TV der vierten Generation über keinen optischen Audioausgang mehr verfügt. Wieso der Audioausgang, welcher für viele Konsumenten sehr nützlich ist, weg rationalisiert wurde erschließt sich mir nicht.

Die neue Apple TV Remote hat statt eines Steuerkreuzes ein Touchpad zum Manövrieren. Bei der Bedienung des User Interfaces bringt das Touchpad keinen nennenswerten Mehrwert, allerdings bei Apps, aber dazu später mehr. Die Remote kommuniziert primär über Bluetooth 4.0 mit der Apple TV. Schaltet man die Apple TV mit der Remote ein, schaltet sich automatisch auch das TV Gerät ein. Beim Abdrehen wird auch das TV Gerät mit abgedreht. Die Remote hat auch einen Infrarotsender, mit dem in vielen Setups die Lautstärke des Fernsehers verändert werden kann. Die Apple TV selbst hat zusätzlich einen Infrarot Empfänger, reagiert daher auch auf Infrarot Commands. Ich steure sie zeitweise über meine Logitech Harmony Touch.

Bei der Erstinbetriebnahme fällt die neu entworfene Benutzeroberfläche gleich mal positiv auf. Wenngleich sich an der prinzipiellen Anordnung der Anwendungen nichts geändert hat, sieht die Oberfläche wesentlich gefälliger und zeitgemäßer aus. Befeuert wird die neue Apple TV durch den, aus dem iPhone 6 bekannten, A8 Chip, der für merkbaren Performancezuwachs sorgt. Die Apple TV reagiert wesentlich schneller, das navigieren durch Menüs gestaltet sich sehr viel angenehmer. Am meisten verblüfft hat mich, in welcher Geschwindigkeit die Videowiedergabe startet, egal ob man auf Apples iTunes Store zurück greift, oder z.B. Netflix. Die Videowiedergabe startet sofort, nachdem man die Play-Taste betätigt, als ob man das Video von einem lokalen Medium abspielen würde. Mein Internetanschluss ist der gleiche, wie bei der alten Apple TV. Wie immer sie das hingebracht haben, es ist großartig.

Die Apple TV wird mit einer App Grundausstattung, ausschließlich bestehend aus Apples eigenen Angeboten, ausgeliefert. Das Herzstück, und für mich der größte Mehrwert der neuen Apple TV, ist der neue App Store. Wer den iOS App Store kennt, findet sich auch im App Store für die Apple TV sofort zurecht. Das Angebot ist nicht annähernd so umfangreich wie der iOS App Store, kann aber bereits mit einigen Perlen aufwarten.

Netflix war bereits auf der alten Apple TV vertreten, die neue Netflix App, die sich an der iOS App orientiert, ist aber um Welten besser. Von vielen sehr vermisst, gibt es für die neue Apple TV eine Plex App, die sehr gut geworden ist. Neben Videostreaming Apps unterschiedlicher Anbieter und Sender, ist die zweite große Kategorie des App Stores Spiele.

Für Hardcore Zocker ist die neue Apple TV sicherlich keine Alternative zur Playstation 4, xBox One und Nintendos Angebot. Primär werden Umsetzungen bekannter iOS Titel angeboten, die sich aber durchaus gut auf dem großen Bildschirm machen. Gesteuert werden die Spiele entweder über die Apple TV Remote, welche nur ein sehr reduziertes Commandset zulässt, meiner Meinung nach generell nicht besonders gut zur Spielsteuerung geeignet ist, oder über einen MFI Controller. Die MFI Controller orientieren sich an klassischen Konsolen Joypads, und würde ich jedem empfehlen, der die Apple TV auch zum spielen verwenden will. Ich verwende den Steelseries Stratus XL Controller, mit dem ich sehr zufrieden bin. Von Steelseries gibt es auch einen Controller, der speziell für die Apple TV gemacht ist, den Steelseries Nimbus Wireless.

In einigen Ländern, darunter Deutschland, lässt sich die neue Apple TV auch über Siri mit Spracheingabe steuern. Das soll sehr gut funktionieren, konnte ich aber nicht verifizieren, da Siri in Österreich noch nicht zur Verfügung steht. Das liegt am österreichischen Dialekt, der Siri noch beigebracht werden muss.

Grundsätzlich ein nebensächliches Thema, aber immer wieder schön anzusehen, sind die Bildschirmschoner der Apple TV. In Zeitlupe fährt eine Kamera über verschiedene Städte der Erde. Sieht irrsinnig stylisch aus. Ich habe noch nie vorher mit vergleichbarer Begeisterung auf Screensaver geschaut.

Neben all den positiven Aspekten, gibt es auch einige wenige negative. Die Anmeldedaten von Apple’s eigenen Diensten können der Apple TV, während der Inbetriebnahme, von einem iOS Gerät übergeben werden. Das funktioniert sehr gut, ist allerdings auf Apple’s eigene Dienste beschränkt. Die Anmeldedaten von Drittanbietern müssen über die Onscreentastatur eingegeben werden. Die Buchstaben sind nicht mehr in mehreren Zeilen angeordnet, sondern alle Buchstaben in Reihe. Eine Reihe für Kleinbuchstaben, eine für Großbuchstaben und eine für Zahlen und Sonderzeichen. Das ist ein Rückschritt, finde ich. Die Eingabe von langen Passwörtern dauert damit noch länger. Bei den alten Apple TV Modellen konnte man auf die iOS Remote App zurückgreifen, d.h. man konnte die Apple TV einerseits mit dem iPhone/iPad steuern, aber auch darüber Texteingaben tätigen. Die Remote App funktioniert leider nicht mit der neuen Apple TV. Es bleibt zu hoffen, dass Apple hier bald nachliefert.

Unter dem Strich ist die Apple TV der vierten Generation ein äußerst gelungenes Update. Der App Store hat großes Potential, die Plattform gehörig nach vorne zu bringen. Die Apple TV ist die derzeit beste Mediabox, mit Spielraum nach oben. Wer zugreift hat die Wahl zwischen zwei Modellen, die sich lediglich durch die Speicherkapazität unterscheiden. Man wählt zwischen einem 32GB und einem 64GB Modell. Zweiteres empfiehlt Apple jenen Nutzern, die vor haben viele Apps und Spiele zu installieren.

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