iCloud Drive – Eine Momentaufnahme

iCloud Drive Einstellungen Mac

Ich bin mit den iCloud Diensten grundsätzlich sehr zufrieden. PIM Sync (Kalender, Adressen, Erinnerungen, Notizen) funktioniert bei mir, und den Menschen mit welchen ich Kalender teile, zuverlässig und intuitiv. Die iCloud Foto-Mediathek verwende ich seit dem Launch, und bin nach wie vor begeistert von dem Dienst.

Für die iCloud Foto-Mediathek musste ich meinen Speicherplan auf 200GB erhöhen, in absehbarer Zeit muss ich auf 1TB wechseln, Fotos, darunter viele RAW-Dateien, und Videos brauchen viel Platz.

Nun, wenn man schon so viel iCloud Speicherplatz hat, sich das Service über das Jahr gesehen doch einiges kosten lässt, ist es doch naheliegend auch seine Dokumente über die iCloud Disk abzuwickeln, und nicht parallel für diesen Zweck ein weiteres Cloud Service zu bezahlen.

Ich habe vor ein paar Monaten meine Textdokumente (PDFs, Pages-, Numbers-, Markdown-Dateien, etc.) von meinem NAS und von Dropbox auf das iCloud Drive übersiedelt. Den mit Abstand am meisten vertretenen Dateityp stellt PDF dar.

Das iCloud Drive Service hatte beim Launch ein paar Startschwierigkeiten. Aus meiner Sicht sind diese mittlerweile gänzlich ausgeräumt. Während meiner mehrmonatigen Testphase hatte ich nicht ein einziges Problem.Die Synchronisation der Dateien funktioniert überaus zuverlässig.

Am Mac verhält sich das iCloud Drive vergleichbar einem herkömmlichen lokalen Ordner, der allerdings über Apple’s iCloud mit anderen Endgeräten, die mit der gleichen Apple-ID verbunden sind, synchronisiert wird. iCloud Drive wird in den iCloud-Einstellungen aktiviert/deaktiviert. Die Daten werden am Mac vom Spotlight Index erfasst, d.h. bei der Spotlightsuche werden die, am iCloud Drive abgelegten, Dateien ebenso angezeigt, wie die übrigen lokal gespeicherten Dateien.

Unter iOS sieht die Sache ein wenig anders aus. Solange man Dateien mit einer App einfach nur im vorgesehenen App Ordner speichert, dann werden die Dateien für die Suche indiziert. Verwendet man z.B. plattformübergreifend Pages, oder Numbers in Kombination mit iCloud Drive, und unter ausschließlicher Verwendung des für die jeweilige App vorgesehenen Ordners, dann ist sichergestellt, dass die Dateien auch zu einem späteren Zeitpunkt durchsucht werden können. Dateien, die außerhalb des jeweiligen App Ordners gespeichert werden, werden unter iOS von Spotlight nicht indiziert.

Während ich am Mac meine PDF Dateien, die ich in einer Ordnerstruktur am iCloud Drive abgelegt habe, dank OCR Volltext durchsuchen kann, findet man unter iOS in der iCloud Drive App nicht einmal die Dateinahmen. Ich kenne die technischen Hintergründe der iCloud Drive Implementierung nicht. Wenn ich das unterschiedliche Verhalten interpretieren darf, dann dürfte der Grund dafür sein, dass am Mac ein 1:1 Abbild der am iCloud Drive abgelegten Dateien lokal gespeichert wird. Der Spotlight Index wird lokal am Mac erstellt. Unter iOS wird in der iCloud Drive App nur der Dateibaum, der in iCloud Drive gespeicherten Dateien, angezeigt, um Speicherplatz am iOS Endgerät zu sparen. Dateien werden erst herunter geladen, wenn man die Datei aufruft, d.h. der Spotlight Index kann nicht lokal erzeugt werden. Die Erstellung des Spotlight Index müsste in der iCloud passieren und dann aufs iOS Device geladen werden. Zumindest für die Suche nach Dateinahmen stellt das kein großes Problem dar, Dropbox hat das implementiert. Schöner wäre natürlich wenn der Index umfangreicher wäre, wenn auch unter iOS die Volltextsuche möglich wäre. Für Enterprise Cloud Lösungen gibt es derlei Implementierungen. Ich kann nicht beurteilen, welche Herausforderung eine derartige Lösung an den Anbieter stellt, eventuell gibt es monetäre Gründe, wieso das für iCloud Drive für Endanwender nicht zur Verfügung steht.

Am Ende des Tages bedeutet das, dass unter iOS nicht annähernd die gleiche Funktionalität zur Verfügung steht um mit Dateien zu hantieren, wie unter OSX. Die Anforderungen von Anwendern sind unterschiedlich, und für manche, eventuell viele, mag diese Einschränkung keine Rolle spielen. Für mich bedeutet es, dass ich unter iOS derlei große Einschränkungen habe, dass ich damit nicht produktiv arbeiten kann. Meine PDF Dateien sind mit einem relativ generischen Dateinamen abgespeichert (z.B. 2015 12 10 Amazon RG). Die Datei, die ich tatsächlich benötige, finde ich am Mac durch die Volltextsuche. Das funktioniert super. Wenn ich unter iOS am iCloud Drive z.B. eine bestimmte Amazon Rechnung finden wollte, müsste ich dutzende Dateien öffnen um die richtige zu erwischen.

Die iOS App PDF Expert von Readdle bringt die Volltextsuche mit, dafür müsste man sich allerdings alle PDFs in die App ziehen. Das ist die Von hinten durch die Brust ins Aug Variante.

Fazit

Verwendet man die gleichen Apps am Mac und iOS, welche die direkte iCloud Anbindung mitbringen – Pages, Numbers, Keynote und Byword wären hier beispielhaft genannt – dann funktioniert das plattformübergreifende Arbeiten prima. Übernimmt man eine gewisse Ordnerstruktur nach iCloud Drive, dann muss man massive Einschränkungen unter iOS in Kauf nehmen.

Dropbox ist sicherlich das bessere Cloud Service um mit Dokumenten umzugehen. Grundsätzlich bringt Dropbox Vorteile beim Thema Collaboration, also der Zusammenarbeit mit anderen Menschen. Davon abgesehen kann iCloud Drive am Mac ganz gut mit Dropbox mithalten. Unter iOS ist Dropbox wesentlich besser als iCloud Drive. Man kann über die gesamte Dropbox hinweg nach Dateinamen suchen, die App Anbindung ist besser gelöst, man kann beim Prozess des speicherns von Email-Anhängen den Dateinamen ändern, um nur einige Vorteile zu nennen.

iCloud Drive ist zuverlässig. Letztlich stellt sich die Frage der eigenen Bedürfnisse, ob man damit das Auslangen findet. Nachdem ich meine produktiven Tätigkeiten primär am Mac erledige, mein Collaboration Bedarf eher eingeschränkt ist, ist iCloud Drive gut genug für mich. Würde ich mehr brauchen, dann würde ich zusätzliches Geld in die Hand nehmen und meine Dokumente in die Dropbox schieben.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.