Apple Watch – Wo liegt der Mehrwert?

Beim Launch der Apple Watch hatte ich mir keine gekauft, weil ich der Meinung war, dass sie für mich keinen nennenswerten Mehrwert darstellen würde.

Mitte Dezember 2015 wurde ich dann doch schwach. Der Hautpgrund dafür war, dass ich mehr Sport machen wollte, und ich der Meinung war, dass mich ein Fitness Tracker mit zuverlässiger Pulsmessung dabei unterstützen könnte. Ich wollte keine Pulsmessung mit Brustgurt, sondern am Handgelenk. Die Apple Watch kann das und auch das restliche angebotene Fitness Tracking sollte meinen Anforderungen genügen. Letztlich griff ich zur Apple Watch, da sie, abgesehen von den Fitnessfunktionen, das für mich attraktivste Featureset ablieferte und sich perfekt in meine Apple zentrische EDV Landschaft einfügte.

Nach rund zwei Monaten täglicher Verwendung fühle ich mich im Stande das Produkt Apple Watch rundum beurteilen zu können. Die Apple Watch ist vorangig eine sehr exakte Uhr, sie weicht maximal 50ms von der Weltzeit ab. Die unterschiedlichen Ziffernblätter, die zur Wahl stehen, bieten eine vielseitige Auswahl. Die Apple Watch hat einen ganz klaren Nachteil im Vergleich zu einer herkömmlichen Uhr. Das Display ist per default dunkel, schaltet sich nur dann ein, wenn man den Arm hebt, bzw. aufs Display tippt. Meist funktioniert die Aktivierung des Displays beim Heben des Armes, aber nicht immer.

Für eine Smartwatch sieht die Apple Watch, nach meinem Geschmacksempfinden, ganz ok aus, richtig schön finde ich sie nicht. Was den Akku betrifft, habe ich die Erfahrung gemacht, dass man leicht über den Tag kommt. Sie muss in jedem Fall täglich geladen werden. Bevor ich die Apple Watch in der Nacht auflade, hat sie meist zwischen 20-45% Restladung.

Die nützlichsten Features sind:

  • Komplikationen
  • Push von Nachrichten
  • Kalender
  • Siri
  • Aktivität App
  • Timer

Als Komplikationen werden die Informationen bezeichnet, die zusätzlich zur Uhrzeit direkt am Ziffernblatt angezeigt werden. Ich habe Datum/Tag, Wetter, Aktivität, Timer und Schrittzähler++ eingeblendet. Schrittzähler++ ist eine App aus dem Appstore, die zurückgelegte Schritte, Distanz und Stockwerke aufzeichnet, der Rest sind vorinstallierte Apple Apps. Die Komplikationen bieten Basisinformationen, z.B. Datum/Tag. Drückt man auf die Kompilation landet man direkt in der entsprechenden App. Im Fall von Datum/Zeit ist das der Kalender. Eine derartige App Verknüpfung gibt es für alle Kompilations.

Neben den Kompilations ist im Alltag der Push von Nachrichten aller Art das wahrscheinlich wertvollste Feature für mich. Oft erspart man sich das iPhone herauszukramen, weil man bereits auf der Apple Watch sieht, dass es sich um keine wichtige Nachricht handelt, bzw. kann sie direkt mit vorgefertigten kurzen Antworten, oder Siri, beantworten.

Grundsätzlich gilt, will man längere Texte verfassen, dann geht das nur mit Siri. Das funktioniert gut, aber nicht alle Umgebungen sind geeignet um Spracherkennung zu praktizieren. Ich finde, dass die Apple Watch besser dafür geeignet ist Dinge nachzusehen, als Dinge damit zu verfassen. Ausnahmen sind einen Timer/Wecker zu stellen, bzw. kurze Nachrichten einzusprechen.

Die Aktivitäts App, kombiniert mit Schrittzähler++, schafft es sehr gut mich zu mehr Bewegung zu animieren, einfach mal die Stiegen statt dem Fahrstuhl zu nehmen, und ein paar Schritte mehr zu Fuss zu machen. Was das Training angeht, funktioniert der Pulsmesser sehr zuverlässig. Bei der Erfassung von sportlichen Aktivitäten ist das Angebot allerding ziemlich limitiert. Im Endeffekt beschränkt sich die genaue Erfassung auf Gehen/Laufen, und drei Cardio Geräte. Rad fahren wird auch unterstützt, ich bezweifle aber, dass die Erfassung der Daten, mal abgesehen vom Puls, besonders aufschlußreich ist.

Kommen wir zu den Apps. Seit watchOS 2 können diese auch direkt auf der Apple Watch ausgeführt werden. Vorher waren die Watch Apps ausschließlich am iPhone lauffähig, auf der Apple Watch bekam man eine angepasste Darstellung gespiegelt. Um es kurz zu machen, ich habe fast keine Apps im Einsatz. Der Start der meisten Apps dauert viel zu lange. Bis die meisten Apps gestartet sind, hat man den gewüschten Vorgang bereits am iPhone erledigt, und zwar inklusive iPhone aus der Tasche kramen. Es gibt kaum Apps, die einen tatsächlichen Mehrwert darstellen. Die meisten Apps sind auch zu fummelig.

Mal abgesehen von den vorinstallierten Apple Apps, die durch die Bank gelungen sind, verwende ich eigentlich nur eine Hand voll Apps regelmäßig.

Und macht die Apple Watch jetzt eigentlich Sinn?

Ich mag das Tracking der Schritte und die Aktivitäts-App. Was das Monitoring von sportlichen Aktivitäten betrifft, ist die Apple Watch zum Laufen und Gehen gut geeignet, sonst eher ungeeignet. Will man seinen Puls überwachen, dann profitiert man davon natürlich bei allen Sportarten.

Die restlichen Funktionen sind ganz nett, ich kann aber auch gut ohne sie auskommen. Ich muss leider sagen, dass ich mit meiner ersten Einschätzung der Apple Watch für mich richtig gelegen bin. Für mich macht die Apple Watch eigentlich nur sehr eingeschränkt Sinn. Die Fitness Funktionen könnte ich auch gut mit jedem anderen Fitness Tracker abwickeln, und die restlichen Features bringen es für mich nicht so wirklich. Viel davon ist Spielerei, mit nur sehr eingeschränktem praktischen Mehrwert.

Man merkt, dass es sich um ein typisches Produkt der ersten Generation handelt. Es gibt noch reichlich Verbesserungspotential. Primär gilt es die Geschwindigkeit der Apps zu steigern, den derzeit sind diese weitgehend nutzlos. Es wäre interessant die Apple Watch wasserdicht zu bekommen, um sie auch beim Schwimmen einsetzen zu können. Last but not least, ein paar mehr Tracker der Körperfunktionen könnte die Apple Watch generell als Sportuhr interessanter machen.

Für mich ist die Apple Watch eine nette Spielerei, hätte ich sie nicht, würde ich sie nicht großartig vermissen. Dementsprechend kann ich sie auch nur eingeschränkt empfehlen. Die zweite Generation wird sicherlich interessanter.

4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ich hab eine Pebble Time, eine Garmin Vivoactive und eine Apple Watch. Jede hat ihre Stärken und Schwächen und einen spezifischen Einsatzbereich. Die Apple Watch ist eine gute Alltagsuhr (was sie aber nicht mehr sein wird, wenn ich mein Fairphone geliefert bekomme). Für Sport ist sie für mich nahezu sinnlos wegen der, wie du ja auch schreibst, beschränkten Funktionen. Neben den wenigen Sportarten sind es vor allem die nicht vorhandenen Export-Funktionen zu gängigen Plattformen bzw. zu meinem Trainingsplan, die mich stören. Die Datenaufbereitung in Health ist ein Witz. Ein großes Manko ist für den Sporteinsatz auch die Tatsache, dass sich das Display ständig abschaltet. Beim Radln dauernd mit der Hand zu wacheln, um die aktuellen Werte sehen zu können, ist gefährtlich.
    Der Pulssensor der Apple Watch ist für eine optische Messung überraschend akkurat, viel besser als bei meinem Mio Link (crap) oder auch dem Rhythm+ von Scosche (zickt, wenn nicht optimal angebracht).
    Dezidierte Sportuhr mit Smartwatch-Funktionen ist die Vivovactive. Großes Plus ist das integrierte GPS, die Uhr ist trotzdem dezent und schmal ausgefallen. Gutes Backup, wenn man sich bei langen Touren nicht auf das iPhone verlassen will. Allerdings ist sie nur ANT+-kompatibel und spricht nicht mit Bluetooth-Sensoren (eh klar, ist ein Garmin-Standard). Außerdem ist sie im Dunkeln unpraktisch, da man die Beleuchtung nur durch Tastendruck einstellen kann. Generell hat sie die schlechteste Lesbarkeit von allen dreien.
    Allrounder ist tatsächlich die Pebble Time, aus folgenden Gründen: Im Dunkeln Beleuchtung mit einem Handgelenkszucker einschalten, perfekte Integration mit meiner Standard-Sport-App (sie spiegelt alle Werte, die auf dem iPhone angezeigt werden, super Akkulaufzeit und schnelle Ladung etc.
    Für kurze Sporteinheiten greife ich daher zu 90 Prozent zur Pebble, für längere/intensivere kommt die Garmin zum Einsatz. Die Apple Watch dagegen bleibt zuhause, sobald es ans Schwitzen geht.

    Liebe Grüße! 🙂

    • Die original Pebble hatte ich damals bei Kickstarter mitfinanziert, so richtig überzeugt hat mich die auch nicht. Die Pebble Time ist natürlich wesentlich gefälliger, wenngleich dennoch keine Schönheit, und die Software hat sich auch weiterentwickelt. Was definitiv für die Pebble spricht ist die lange Akkulaufzeit.
      Die Pulsmessung möchte ich permanent haben. Die Messung am Handgelenk finde ich sehr angenehm, und von der Apple Watch, für meine Bedürfnisse, auch ausreichend exakt. Die Apple Watch taugt halt nur eingeschränkt als Sportuhr, wie wir beide festgestellt haben.
      Die vivoactive macht den Eindruck eine kompetente Sportuhr zu sein, die neue vivoactive HR hat auch die Pulsmessung am Arm. Problem für mich, die Apple Watch finde ich optisch akzeptabel, aber die restlichen Smartwatches gehen optisch echt gar nicht. Die vivoactive HR beim Sport umzuschnallen ist ja ok, aber permanent möchte ich sie nicht drauf haben, die ist echt potthässlich.

  2. p.s. und natürlich haben Garmin und Pebble keine Pulsmessung, aber da ich gerne exakte Daten habe, verwende ich ohnehin den Viiiva Brustgurt, der ANT+ und Bluetooth kann und somit mit allen Uhren spricht.

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