iCloud – Die fehlenden Funktionalitäten

iCloud-iCloudDrive.jpgIn regelmäßigen Abständen ziehe ich Resumee bezüglich des aktuellen iCloud Entwicklungsstandes (z.B. „Drei Wochen mit der iCloud Fotomediathek“ am 04.05.2015, „iCloud Drive – Eine Momentaufnahme“ am 13.12.2015, „iMovie – iCloud Workflow suboptimal“ am 15.02.2016).

Ich verwende die iCloud Foto-Mediathek seit April 2015, also seit Verfügbarkeit des Features, und es ist für mich noch immer die beste Möglichkeit meine Fotos über meine Geräte synchronisiert zu halten. Ich bin mit der iCloud Foto-Mediathek sehr zufrieden, habe deshalb meinen iCloud Speicherplan auf 1TB erhöht, weil ich mit 200MB nicht mehr das Auslangen fand.

Wenn man derart viel Cloudspeicher hat, dann will dieser auch sinnvoll genützt werden. Datenhungrige Anwendungsfälle gibt es zu Hauf, ein gelungenes Feature ist iCloud Backup der iOS Geräte. Ein weiterer Anwendungsfall wäre es seine Videos mit Familie und Freunden online zu teilen. Dahingehend ist der traurige Stand der Dinge, wie bereits im Artikel „iMovie – iCloud Workflow suboptimal“ vom 15.02.2016 beschrieben, es gibt keine befriedigende Möglichkeit Videos, welche über die Länge von 5 Minuten hinaus gehen, dauerhaft über iCloud, und dann nur über die Foto-Mediathek, zu teilen. Dauerhaft deshalb, weil das temporäre Teilen über die Funktion Mail Drop möglich ist.

Das ganze Thema Collaboration und Teilen von Daten hat Apple beim iCloud Drive weitgehend vernachlässigt. Es gibt keinerlei Möglichkeit, von den iWork Apps Pages (OS X, iOS), Numbers (OS X, iOS) und Keynote (OS X, iOS) mal abgesehen, vernünftig mit anderen Menschen gemeinsam an Files zu arbeiten, die im iCloud Drive abgelegt sind. Es lässt sich kein Sharing-Link generieren, kein Ordner für mehrere Benutzer freigeben, wie es in etwas bei Dropbox möglich ist. Man kann Dateien lediglich als Anhang verschicken. Das ist definitiv nicht zeitgemäß und Apple’s Mitbewerber können das besser, viel besser.

Ein weiteres von mir vermisstes Feature ist eine iCloud Datei Versionierung. Eine Versionierung gibt es unter OSX, sofern das betreffende Programm diese auch unterstützt. In diesem Fall passiert die Versionierung allerdings am Mac, und nicht am iCloud Drive. Solange man nur am Mac arbeitet, kein Problem. Wenn man aber doch zwischendurch mal die Zukunft des Computings (man entschuldige meinen Sarkasmus) – das iPad – zum Schreiben her nimmt, dann steht man ohne diesem Feature da. Es ist mir bis jetzt nur ein einziges Mal passiert, ich hatte einen iCloud Sync-Fehler innerhalb der App Byword (OS X, iOS). Der Fehler hatte zur Folge, dass eine ältere Dateiversion als aktuell betrachtet wurde, und ich deshalb ein paar Hundert Worte eines Blog-Artikels verloren habe, da ich nur das iPad dabei hatte, und daher nicht auf eine andere Version wechseln konnte.

Die Daten, welche am iCloud Drive liegen, werden zwischen allen Geräten, auf welchen das iCloud Drive in den iCloud Einstellungen aktiviert wurde, und die mit der gleichen Apple-ID verknüpft sind, synchronisiert. Es gibt allerdings eventuell Ordner, die man nicht synchronisieren will. Ich würde gerne einen Ordner mit meinen persönlichen Videos nur online zur Verfügung stehen haben, und möchte nicht die SSD jedes beteiligten Macs befüllen. Grundsätzlich adressiert Apple dieses Problem mit macOS Sierra und der Funktion Optimierter Speicherplatz.

Dateien, die du selten brauchst, kommen in die Cloud. Bis du sie brauchst.

Wenn du mehr Platz brauchst, sorgt Optimierter Speicherplatz dafür und sichert selten benutzte Dokumente, Mail Anhänge, Fotos und iTunes Filme, die du schon gesehen hast, in der Cloud. Kürzlich benutzte Dateien bleiben immer auf deinem Mac, zusammen mit optimierten Versionen deiner Fotos. Du findest jede Datei genau da, wo du sie gespeichert hast. Öffne sie einfach und lade das Original, als wäre es immer da gewesen.

Wenn man dem technischen Voodoo vertraut klingt das ja ganz super. Im Falle, dass der Speicherplatz knapp wird kümmert sich Apple um das Problem, der Benutzer braucht gar nichts tun und alles wird gut. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem man dringend ein Dokument braucht, Apple das Dokument vom Mac weg optimiert/gelöscht hat, man keine online Verbindung hat, und deshalb nicht an das Dokument am iCloud Drive ran kommt. Ich hätte es lieber konservativer, bzw. mehr Möglichkeiten der Konfiguration. Ich möchte zumindest Ordner konfigurieren können, in welchen niemals Daten gelöscht werden sollen, andere, die nie synchronisiert werden sollen. Ich will den selektiven Sync!

Last, but not least, ein kommerzielles, bzw. organisatorisches, Thema. Apple hat die Funktion Familienfreigabe etabliert. Das Feature hat das Ziel, dass bis zu sechs Familienmitglieder ihre Inhalte, bzw. Services teilen können.

Mit der Familienfreigabe können bis zu sechs Familienmitglieder Einkäufe aus iTunes, iBooks und dem App Store gemeinsam nutzen, ohne Accounts zu teilen. Familieneinkäufe können mit der gleichen Kreditkarte bezahlt werden, und Eltern können direkt auf ihrem Gerät die Käufe ihrer Kinder bewilligen. Außerdem lassen sich Fotos, der Familienkalender und mehr leicht teilen, damit alle auf dem gleichen Stand sind. Und mit einer Apple Music Familienmitgliedschaft erhalten auch bis zu sechs Personen vollen Zugriff auf Apple Music.

Die Familienfreigabe sollte es auch für das iCloud Drive geben. Man aktiviert die Familienfreigabe Option zu einem fairen Aufpreis, und bis zu sechs Familienmitglieder bekommen das gleiche Kontingent des Familienfreigabeverwalters, in meinem Fall also bis zu sechs Familienmitglieder mit jeweils 1TB Datenkontingent. Microsoft bietet genau das, allerdings nur für fünf Benutzer, mit dem Office 365 Home Angebot an.

Office365.jpegIn den letzten Jahren hat sich doch einiges bei den iCloud Features getan. In meinem Fall funktioniert die iCloud zuverlässig, manche Funktionen sind sehr gut, und ich möchte nicht mehr darauf verzichten, z.b. iCloud Foto-Mediathek, Kalender-, Kontakte- und Notizensynchronisation. Speziell beim Thema iCloud Drive ist hinsichtlich Collaboration und Inhalte teilen noch viel Luft nach oben.

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