Das Macbook Pro 2016 und die Zukunft des Macs

Macbook Pro 2016

Macbook Pro 2016

Am 27.Oktober 2016 hielt Apple eine Medienveranstaltung, auf der sie, unter anderen, die neuen Macbook Pro vorgestellt hatten.

In den folgenden Tagen gingen die Wogen der Apple Fans, zur Überraschung von Apple, hoch. Mit einer derartig großen Unzufriedenheit in der Fangemeinde hatte Apple nicht gerechnet, sie halten die neuen Macbook Pro für einen ganz großen Wurf.

Die Hauptpunkte, die von den Kritikern vorgebracht werden:

  • Die neuen Macbook Pro bieten zu wenig Performance, speziell im Grafikbereich.
  • 16GB maximaler Hauptspeicher ist einer Pro Maschine nicht würdig.
  • Apple setzte falsche Prioritäten, statt ein Gerät möglichst schlank zu gestalten, wäre maximale Performance die richtige Priorität für ein Pro Gerät gewesen.
  • Die Geräte bieten ausschließlich Thunderbolt 3 Ports. Für andere Anschlusstechnologien werden Adapter benötigt. Poweruser müssen mit einem Sack voll Adaptern herum laufen.
  • Es gibt keinen Magsafe Anschluss zum laden mehr.
  • Die Tastatur wurde vom neuen 12″ Macbook übernommen, hat zu wenig Hub. Die Tastatur bietet nicht das gleich angenehme Tippgefühl der bisherigen Macbook Pro Tastatur.
  • Die neue Touchbar ist ein Gimick und kein Pro Feature.
  • Die Esc-Taste, sehr wichtig für Pro-User und Entwickler, auf die Touchbar zu legen ist ein nogo.
  • Die Preise der Macbook Pro sind gestiegen, in manchen Märkten aufgrund der Währungssituation eklatant, und sind zu hoch.
  • Nach vier Jahren Wartezeit auf ein neues Modell bieten die neuen Macbook Pro zu wenig Neuigkeiten.
  • Apple konzentriert sich nur mehr auf die iOS Devices und vernachlässigt die Macs.

Wenn Apple das ganze Jahr, ausser einem dezenten Update des Macbook, die Plattform vernachlässigt, ist die Unzufriedenheit der Mac Fans nicht weiter überraschend, wenngleich mit mancher Kritik doch teils heftig über das Ziel geschossen wird.

Ich finde, dass die neuen Macbook Pro attraktive Geräte sind. Der Schritt ausschließlich auf Thunderbolt 3/USB-C als Anschlussports zu setzen finde ich richtig. Thunderbolt 3/USB-C teilen den gleichen Port und ihnen gehört die Zukunft. Nur alte Zöpfe abzuschneiden bringt die Entwicklung voran. In der Übergangsphase ist es natürlich teilweise lästig auf Adapter zurück greifen zu müssen. In der Regel verwendet man einen Mac allerdings mehrere Jahre, und es ist sinnvoller dann in ein paar Jahren die aktuellen Ports zur Verfügung zu haben, statt z.B. USB-A Ports, die man in ein paar Jahren kaum mehr verwendet dürfte.

Der Wegfall des Magsafe Ladeanschlusses ist definitiv ein Verlust, aber man gewinnt die Möglichkeit auf allen Thunderbolt 3 Ports zu laden. Auf beiden Seiten des Gerätes wahlweise das Netzteil anschließen zu können ist ein schöner Mehrwert. Das Ladekabel ist USB-C auf USB-C, d.h. auch auf Netzteil Seite wird das Kabel angesteckt, wie bereits vom iPhone Netzteil gewohnt. Das eröffnet die Möglichkeit das Netzteil auch zum Laden eines iPad/iPhone, mit Hilfe eines USB-C zu Lightning Kabel, zu verwendet. Ich würde sagen, dass unter dem Strich die Vorteile die Nachteil überwiegen.

Dem Großteil der potentiellen Macbook Pro Käufern wird die Performance des Gerätes ausreichen. Die meisten Interessenten werden ein schlankes sehr portables Gerät einem dicken, mit Fokus auf ultimative Performance, vorziehen. Den maximal möglichen Hauptspeicher von 16GB sehe ich allerdings schon als Problem. Nicht für den Moment, denn da werden die 16GB den meisten ausreichen, aber in ein paar Jahren könnte der Hauptspeicher knapp werden, und wie gesagt, einen Mac kauft man sich, in der Regel, für mehrere Jahre Verwendung.

Ich hatte noch keine Gelegenheit die Tastatur über einen längeren Zeitraum auszuprobieren. Ich tippte auf einem Macbook, dessen Tastatur weitgehend ident ist, für ungefähr eine halbe Stunde. Es war für mich kein Problem auf der Tastatur des 12″ Macbook flott zu tippen, aber ich mochte das Tippgefühl nicht. Ich kann nicht beurteilen, ob man sich an die Tastatur nach längerer Verwendung gewöhnt, ich bin eher skeptisch.

Wie nützlich die Touchbar letztendlich sein wird, wird die Zeit zeigen. Normalerweise tippt man auf der Tastatur ohne darauf zu blicken. Um die Touchbar zu bedienen muss man auf die Tastatur schauen. Ich kann mir vorstellen, dass das den Arbeitsfluss stört. Ich sehe den Nutzen der Touchbar, zumindest für Power User, nicht in der Abbildung von einfachen Shortcuts. Bei der Apple Veranstaltung sah man Touchbar Buttons für kursiven und fetten Text in einem Textverarbeitungsprogramm. Derartige Optionen nützen Power User mit Tastatur Shortcuts schneller, und ohne den Blick vom Display zu lösen. Für nicht so versierte User werden die Abbildung derart einfacher Shortcuts mehr Nutzen darstellen, die sind aber nicht unbedingt die Klientel, die ein Macbook Pro kaufen. Ich sehe den größten Nutzen der Touchbar in der Unterstützung von hochkomplexen Programmen, für welche Optionen auf die Touchbar wandern, die sich sonst in überladenen Menüs verstecken.

Ein Problem der Touchbar sehe ich darin, dass viele Macbook Pro Nutzer ihr Gerät zum Teil an einem externen Display mit externer Tastatur betreiben. In diesen Fällen kann man die Touchbar nicht verwendet. Es bräuchte also eine externe Apple Tastatur mit Touchbar. Die Touchbar wird erst dann entsprechende Aufmerksamkeit der Nutzer und App Entwickler erhalten, wenn das Feature auf breiter Basis steht, also auch im Macbook, und den Desktop Macs verfügbar sein wird. Schauen wir mal, wie die weiteren Schritte von Apple in diese Richtung aussehen werden.

Last, but not least, der Preis. Nun, der schmerzt gewaltig. Ich kaufte mir 2012 ein Macbook Pro Retina 15“ in der Maximalausstattung um tränentreibende 3628€. Im Nachhinein gesehen eine Okkasion, den würde ich jetzt wieder zu einem Macbook Pro 15” in Maximalausstattung greifen, dann würde das 4999€ kosten, 4039€ wenn man auf das Upgrade von einer 1TB SSD auf eine 2TB SSD verzichtet. In meinem 2012 Macbook Pro habe ich eine 768GB SSD, die im Jahr 2012 preislich wesentlich höher anzusiedeln war als die aktuelle 1TB SSD Option, und dennoch war das Gerät um 400€ billiger. Von dem absurden Preis für das Upgrade auf die 2TB SSD beim aktuellen 15″ Macbook Pro will ich gar nicht sprechen. Man bekommt Premium Qualität beim Macbook Pro, und dafür ist man geneigt auch tief in die Geldbörse zu greifen. Man kann es allerdings auch übertreiben. Der Preis der aktuellen Macbook Pro geht, meiner Meinung nach, nicht mehr in Ordnung.

Der Mac braucht mehr Aufmerksamkeit

Alle heiligen drei Zeiten einen Mac mit einem Update zu versehen ist zu wenig. Die Mac Plattform verdient mehr Aufmerksamkeit. Laut der letzten Quartalszahlen erwirtschaftete Apple 60% des Einkommens mit dem iPhone, etwa gleichauf waren das iPad mit 9%, Services (Apple Music, App Store, iCloud, etc.) mit 12% und der Mac mit 13% Einkommensanteil.

Durch den Erfolg des iPhones erklärt sich von selbst wohin ein Großteil von Apple’s Ressourcen hin wandern. Der Mac hat allerdings mehrere wichtige Rollen inne. Ohne Mac gibt es keine App Entwicklung für iOS. Den die Entwicklungsumgebung für iOS läuft nur auf dem Mac. Das kompilieren von Programmen erfordert performante Rechner. Wenn die Entwickler, oder andere Power User, nach hoch performanten Macs rufen, dann sollte man ihnen diese Geräte auch geben. Ein Mac Pro, der vor drei Jahren, oder exakt 1053 Tagen, vorgestellt wurde, und seither kein Update erfahren hat, ist kein gutes Signal, und widerspricht Apple’s Aussage, dass der Mac für sie wichtig sei.

Die Mac Power User sind Meinungsmacher. Durch die Begeisterung, die man vermittelt, bzw. Empfehlungen, die man abgibt, holt man andere Nutzer auf die Plattform. Ihr kennt das doch sicher, wenn man sich mit Computern auskennt, dann wird man im Familien- und Freundeskreis zu Rate gezogen, muss Hardware- und Softwareprobleme lösen, wird zur Datenrettung eingeteilt. Wenn diese Meinungsmacher abwandern, dann wandert auch mittelfristig ein großer Teil des Umfeldes mit. Und wechselt man die Rechnerplattform, setzt einen Fuß aus Apple’s walled garden, dann ist im Anschluss auch schnell man ein anderes Smartphone, als ein iPhone gekauft.

Das iPhone mag das mit Abstand umsatzstärkste Geschäftsfeld von Apple sein, aber der Mac ist für das Prestige mindestens genau so wichtig. Die Volkswagen AG verdient mit dem Golf wahrscheinlich am Meisten Geld, aber geil finden die Leute Porsche. Der Mac ist der Porsche von Apple.

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