Hr.Cook, man muss auch nein sagen können

File

Gestern war es soweit, neben einem unerwarteten Update des iPad, hat Apple das erwartete iPad Mini der Weltöffentlichkeit präsentiert. Die technischen Parameter will ich nicht herunter beten, Apple bietet auf deren Seite einen Vergleich der Spezifikationen der einzelnen iPad Modelle.

Das äußerlich unveränderte neue iPad bietet im wesentlichen einen neuen Prozessor, den A6X, welcher bereits aus dem iPhone 5 bekannt ist und laut Apples Angaben doppelt so performant sein soll, sowie den neuen Lightning Anschluss, der den knapp 10 Jahre alten 30polligen Dockanschluss ablöst. Mehr Dampf unter der Haube kann nie schaden, das Update fällt allerdings unter die Kategorie Modellpflege.

Interessant an dem Schritt ist, dass Apple vom jährlichen Updatezyklus abrückt und bereits nach einem knappen halben Jahr ein Update bringt. Das greift sehr gut mit dem Schritt ineinander, das bereits beim letzten Modell die Generationsnummer weggelassen wurde. Es gibt kein iPad 3 oder iPad 4, sondern einfach nur ein neues iPad. Das iPad ist etabliert, das Updateintervall gleicht sich dem Computermarkt an. Mit Updates ist künftig öfters zu rechnen, nicht zuletzt um zeitnahe auf technische Neuerungen reagieren zu können. Die Konsumenten warten nicht mehr auf den heißesten Scheiß, der einmal im Jahr veröffentlicht wird, sondern schlagen guten Gewissens zu, wenn sie ein neues Gerät brauchen, bzw. wollen. Das mag am ersten Blick recht praktisch erscheinen, nimmt dem ganzen allerdings den Mega-Event Charakter, der zum Teil für die Apple Magie sorgt. Das Hinhalten der Kundschaft verstärkt den habenwollen Effekt. Der geneigte Käufer bekommt jetzt öfters ein neues iPad, allerdings ohne Elfenstaub.

Was das iPad Mini betrifft hat die Gerüchteküche im Vorfeld das Meiste vorweggenommen. Seitens der technischen Innereien handelt es sich um ein iPad 2, das geringfügig aufgemöbelt wurde. Es bietet eine Facetime HD Kamera, und auch die Fotokamera auf der Rückseite ist hochwertiger. Das iPad Mini ist mit Lightning Schnittstelle ausgerüstet. Die Bildschirmgröße beträgt 7,9″, statt der 9,7″ des iPad, ein schlechter Legasthenikerwitz. Erwartungsgemäß hat es kein Retina Display, aber aufgrund der reduzierten Bildschirmgröße eine erhöhte Pixeldichte im Vergleich zum iPad 2. Gegen das aktuelle iPad stinkt das iPad Mini seitens der technischen Parameter ab, bietet auf der Haben Seite allerdings eine reduzierte Größe, über dessen Sinnhaftigkeit es sich prima streiten lässt, und eine erhebliche Gewichtsreduktion auf ca. das halbe Gewicht des aktuellen iPad. Letzteres ist durchaus beachtlich und findet hoffentlich beim nächsten großen 9,7″ iPad Update Nachahmung.

Ein gutes Argument für das iPad Mini wäre ein erheblich reduzierter Preis auf rund 250 Euro für das Einstiegsmodell gewesen. Dazu kam es allerdings nicht, der Einstiegspreis des iPad Mini liegt bei stolzen 329 Euro für das Wifi Modell. In Anbetracht dessen, dass Google sein Nexus 7 um knapp 200 Euro verschleudert, ein stolzer Preis, selbst unter Berücksichtigung der höheren Wertigkeit und des besseren, und besser angepassten, Softwareangebotes. Viele potentielle Konsumenten nützen nur die Basisfunktionalität der Tablets und entscheiden deshalb kostenbewußt. Wenn das mal nicht nach hinten los geht.

Meiner Meinung nach ist das iPad Mini ein großer Fehler. In der Vergangenheit hat Apple ausgezeichnet, dass sie Trends setzen und gegen den Strom schwimmen, wenn sie davon überzeugt sind eine bessere Lösung als die Konkurrenz gefunden zu haben. Sie machten keine Markterhebungen, sondern legten den Kunden die, aus ihrer Sicht, beste Lösung vor. So war das beim iPad. Der Mitbewerb setzte hauptsächlich auf 7″ Tablets im Format 16:9, Apple setzte dem ein Gerät mit rund 10″ im Format 4:3 entgegen. Das war richtig so. Auf einem 7″ Gerät kann man nicht mehr vernünftig mit zwei Händen tippen, im Querformat bleibt bei einem 16:9 Display, wenn die Tastatur eingeblendet wird, nur mehr ein schmaler Schlitz vom Bildschirm zur Betrachtung übrig. Im Hochformat ist das Seitenverhältnis 16:9 zu schmal, eigentlich ist es ausschließlich zum Videos schauen wirklich ideal. Steve Jobs hat sich bei der Präsentation des ersten iPads über die 7″ Tablets lustig gemacht, die Konkurrenz verhöhnt. Das mag nicht zu seinen sympathischen Wesenszügen gehört haben, in der Sache lag er allerdings richtig.

Was tut also Apple, um den angeblichen Ruf der Kunden zu befriedigen, und nicht den Worten des Messias zu widersprechen? Sie legen 0,9″ Zoll drauf, und verkaufen es als den heiligen Gral. Bullshit!

Es gibt einen einzigen Anwendungsfall, bei dem das iPad Mini eventuell angenehmer zu verwenden ist als das iPad – wenn man ein Buch liest. Das geringere Gewicht macht sich in diesem Fall sicherlich positiv bemerkbar. Dem entgegen zu halten ist allerdings, dass beim Retina Display des iPads die Texte besonders scharf sind, was dem iPad Mini wiederum fehlt. Und, sind wir uns mal ehrlich, wer viele eBooks liest, der tut das auf einen eBook Reader mit eInk Display, und nicht einem iPad. Diese sind aufgrund des unbeleuchteten Displays wesentlich angenehmer zu lesen, werden einem nebenbei um rund 100 Euro nachgeworfen, also absolut impulskauftauglich.

Wie man es dreht und wendet, das Gerät ist nicht Fisch und nicht Fleisch. Wird es sich trotzdem verkaufen? Natürlich! Die kleinen Kinderhände werden sich vermutlich sehr darüber freuen ihr neues Gadget unter dem Weihnachtsbaum in Händen zu halten, ist es doch unter anderen auch der Heilsbringer im Bildungsbereich. Mittelfristig hätte Apple gut daran getan, nicht auf die Kunden zu hören, die ohnehin nie wissen, was sie wollen, und ihnen das iPad Mini besser vorenthalten.

Steve Jobs konnte das, entgegen dem allgemeinen Marktrend vor ein paar Jahren sagte er nein zu den Netbooks, eine komplett schwachsinnige, nicht zu benutzende, Gerätegattung. Er setzte dem das Macbook Air entgegen. Von den Netbooks hört man heute nichts mehr, die gesamte PC Welt baut jetzt das Macbook Air nach, genannt werden sie Ultrabooks. Hr. Cook können sie auch nein sagen?

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.