Post-PC Ära

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Die Market Intelligence Company IDC hat einen Bericht veröffentlicht, der den Wachstum des Smartphone-, und im Besonderen des Tablet-Marktes im Vergleich zu Desktop PCs und Notebooks zeigt. Während im Vergleich zum Vorjahr 46,1% mehr Smartphones und gar 78,4% mehr Tablets verkauft wurden, schrumpfte der Desktop PC Markt um 4,1%, die Stückzahlen an verkauften Notebooks um 3,4%.

Wir befinden uns mitten in der Post-PC Ära, wie 2007 von Steve Jobs auf der All Things Digital Konferenz, in einem sehenswerten Gespräch mit Bill Gates, angekündigt hat. Für Interessierte, die das Gespräch damals nicht gesehen hatten, All Things D hat alle Steve Jobs Auftritte online gestellt.

Ist das aber auch wirklich so? Die Studie führt Stückzahlen an. Lässt das auch tatsächlich Rückschlüsse darüber zu, ob PCs zum alten Eisen gehören? Ob die Gunst der Benutzer Richtung Smartphones und Tablets ausschlägt? – Ich finde nicht.

Smartphones und Tablets sind zweifellos sehr praktische Geräte. Die hohen Stückzahlen ergeben sich einerseits dadurch, dass noch nicht jeder eines hat, und sich aufgrund dessen ein großer Wachstum einstellt, andererseits der Lebenszyklus, im Vergleich zum PC-Markt, ein kurzer ist. Handys werden in der Regel mit Ablauf der Vertragsbindung beim Provider nach zwei Jahren ausgetauscht. Bei den Smartphones, als deren legitime Nachfolger Gerätegattung, verhält es sich ähnlich. Die populären Tablets, welche unter Apple’s iOS, oder Google’s Android laufen, haben einen ähnliche Lebenszyklus.

Wie verhält es sich nun bei den Trucks, den Desktop- und Notebook PCs? Nun die haben mittlerweile eine derartige Performance erreicht, dass es einfach nicht mehr notwendig ist einen Rechner alle zwei Jahre aufzurüsten, oder zu ersetzen. Für die Tätigkeiten, die die meisten Anwender machen, ist auch ein fünf Jahre alter PC, oder Notebook, noch schnell genug. Nur wenige schneiden HD Videos, oder erledigen andere resourcenhungrige Aufgaben. Die PC und Notebook Käufe werden deshalb, mangels Notwendigkeit, aufgeschoben, statt dessen Smartphone und Tablet Gadgets gekauft.

Können diese Gerätegattungen nun die PCs, speziell die Tablets, wie von Apple durch die Bezeichnung Post-PC Device suggeriert, nun ersetzen? Eine Frage, die sich mit einem klaren, “Kommt drauf an!”, beantworten lässt.

Lassen wir die Smartphones mal aussen vor, und beleuchten die Tablets. Ein großer Mehrwert der Tablets ist, der überraschenderweise aber selten hervorgehoben wird, dass die Geräte permanent verfügbar sind. Man dreht sie nicht ab. Das lästige booten, bzw. aus dem Ruhezustand befreien, wie es bei den PCs der Fall ist, fällt weg. Auch iPad & Co befinden sich zwar in einem Standby Mode, aus diesem sind sie allerdings unmittelbar geweckt, die Geräte können sich bis zu einem Monat ohne Ladezyklus im Standby befinden. Diese permanente Verfügbarkeit macht Tablets zu idealen Geräten, um schnell mal etwas nachzusehen. Dadurch das sich SSDs bei den Notebooks im gehobenen Preissegment als Massenspeicher durchsetzen, sind diese zwar mittlerweile auch schneller aufgeweckt, es dauert aber trotzdem länger, und unkompliziert mit einer Hand schnell schnappen und in Betrieb nehmen kann man ein Notebook nicht. Ein Notebook verlangt nach einer relativ ebenen Abstellfläche, stellt man es auf die Oberschenkel wird es unangenehm warm, Einschränkungen, denen die Tablets nicht unterliegen.

Durch die Abstraktion des Filesystems, eigentlich ist das ganze Betriebssystem quasi unsichtbar für den Benutzer, sinkt die Einstiegshürde bei den Tablets gewaltig. Speziell für ältere Menschen und kleine Kinder, die noch nie einen Rechner bedient hatten. Oft ist schon mal das Hantieren mit der Maus eine große Hürde. Die indirekte Bedienung fällt bei den Tablets weg. Mit dem Finger auf einen Bildschirminhalt tippen kann jeder. Man muss nicht wissen wo Files abgespeichert sind, bzw. werden. Die Bedienung zentriert sich auf die Anwendungen, die Apps, die sich auf einer oder mehreren Bildschirmseiten dem Benutzer präsentieren. Nichts ist versteckt. Die Dateien befinden sich in der App, besser gesagt in der Sandbox. Man sucht nicht nach Files, wenn man einen Text verfassen will startet man die Textverarbeitungs-App der Wahl, dort befinden sich auch alle diesbezüglichen Textdateien.

Für einfache Anwendungsgebiete, wie Internet surfen, News lesen, mailen, chatten, Facebook, Twitter, Bücher lesen und gelegentlich mal kurz einen Text verfassen geht das Konzept voll auf. Für Spiele sowieso, da werden den klassischen Spielkonsolen massiv Marktanteile abgegraben.

Das Ende der Trucks, der Desktop- und Notebook-PCs, bedeutet das allerdings noch lange nicht. Geht es um komplexe Abläufe oder Anwendungen, dann haben die PCs die Nase meilenweit vorne. Ich würde soweit gehen zu sagen, dass sich komplexe Abläufe mit Tablets schlichtweg nicht schmerzfrei erledigen lassen. Das liegt einerseits an der unpräzisen Bedienung mit dem Finger, welcher man allerdings mit neuen User-Interface Konzepten beikommen könnte, und teilweise auch tut, andererseits und primär am Sandbox Modell. Nachdem es kein Filesystem gibt, Dateien sich in der Sandbox der jeweiligen App befinden, ist es Pain in the Ass eine Datei mit mehreren Apps zu bearbeiten. Der Inter-App Austausch funktioniert zwar, wenngleich umständlich, in der Regel, aber dadurch duplizieren sich Dateien an mehreren Orten, wodurch man schnell den Überblick verliert. Das schmerzt besonders bei Fotos, lege doch die Fotobearbeitung mit dem iPad, aufgrund des Retina Displays, auf der Hand. Einige Foto-Apps haben auch tolle User-Interface Ansätze, sei es Apple’s iPhoto, oder Nik Software’s Snapseed. Nur was hilft es, wenn man seine Fotos nicht vernünftig verwalten kann und bereits nach kurzer Zeit an der Umständlichkeit verzweifelt bzw. gänzlich den Überblick verliert? Tablets haben auch einfach nicht die Prozessor Power von PCs. Ihnen fehlt schlichtweg die Kraft um die Bearbeitung von Fotos im RAW-Format zu stemmen, oder Videoformate zu schneiden, bzw. zu enkodieren, die der Hardware Encoding Chip nicht unterstützt. Im Videosegment spielt die Musik daher nur im MPEG4 und MPEG4/AVC (h.264) Segment, und dort nur mit Einschränkungen. Für ernsthafte Videobearbeitung ein No-Go.

Resümee ziehend sind die Tablets für einen Großteil der Daily Tasks super geeignet, für Menschen mit geringen iT Anforderungen können sie den Rechner in vielen Fällen ersetzen. Für Anwender, die oft den Bedarf haben mit mehreren Anwendungen gleichzeitig zu arbeiten, oder komplexe Profi Anwendungen benötigen, reduziert sich ein Tablet zum angenehmen Zweitgerät.

Ich hab mir von den Tablets im Fotobereich viel erwartet. Als ich das erste iPad, mehr oder weniger am Tag 1 des Europastarts in der Hand hatte, war mein erster Gedanke, dass das Gerät die Fotobearbeitung revolutionieren würde. Erfüllt wurde mein Wunsch leider nicht, außer ein paar interessanter UI-Ansätze bei Apps hat sich in dem Bereich über die Jahren nichts getan. Der Workflow ist nach wie vor eine Katastrophe.

Ich verwende das iPad sehr gerne. Könnte ich darauf verzichten? Ja, ungern! Am Mac könnte ich definitiv nicht verzichten, im Gegensatz zum iPad erledigt dieser alle Tasks zu meiner vollen Zufriedenheit und ohne Einschränkungen. Was meinen persönlichen Anwendungsfall betrifft ist die Zeit der Post-PC Devices noch lange nicht gekommen.

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